5 Dinge, die ein Fotograf niemals machen sollte:

1. Einen Text schreiben, der mit "5 Dinge, die ...." anfängt.

Meistens sind wir Menschenkinder furchtbar wissbegierig und klicken auf solche Beiträge (haha, reingelegt), denn

- da steckt die geballte Fachkompetenz der Fotografin hinter

- das ist auch für umme

- ich muss nicht lange lesen

- nach dem Lesen bin ich like a pro 

Aber wenn wir mal ehrlich sind: meistens steckt nicht viel dahinter außer ein Trend und da sind wir bei Nummer 2: 


2. Jemand anderes sein wollen

Schillernde Vorbilder sind super, um von ihnen zu lernen, um von ihnen angeschubst zu werden, um über sich selbst hinaus zu wachsen. Vorbilder sind nicht dazu da, dass man sie nachmacht. Schnell werden alle merken, dass die Bilder nicht authentisch, sondern seelenlos, irgendwie unpassend sind oder - was ich am schlimmsten finde - austauschbar sind. Sei immer du selbst - alle anderen gibt es schon und nur ein toter Fisch schwimmt mit dem Strom. Eines meiner großen Vorbilder ist/war der (immer an sich zweifelnde, unruhige, am Ende gebrochene) Robert Mapplethorpe, weil ich seine Schaffensart und seinen Rock'N'Roll bewundere. Imitieren? ... Nein, das kann ich nicht. Das muss man sich dann auch einfach mal eingestehen. 

 

Darüber hinaus möchte ich niemand sein, die macht, was andere von ihr erwarten. "Das bekommt unglaublich viele Likes dann" - heißt aber nicht, dass ich das so mache. Diese Like-Sammel-Reichweiten-Diskussion hat aber auch sooooo einen langen Hipsterbart. "Wir fotografieren das für eine Veröffentlichung" - Nein, wir fotografieren das, weil wir es möchten und dann sieht es auch so aus wie wir das möchten. Wenn es dann noch jemand anderes dolle findet, dann ist das umso besser. 

 

"Da ist zu viel Photoshop, zu wenig Photoshop, so macht man das nicht ..." Und ob man das so macht. Viele Dinge sind doch eine Frage des Geschmacks und ..... puuuuuh... und darüber kann man ja bekanntlich nicht ...


3. Stehenbleiben

Der Mensch ist zum Lernen geboren (Ja, ja, ich bin Lehrerin). Ich glaube fest daran, dass derjenige, der sich nicht weiterbildet, sich nicht in der weiten Welt umschaut, in der er sich schneckenartig bewegt, dass der irgendwann stehenbleibt und unzufrieden wird. Geh weiter und du wirst glücklich. Das man dabei nicht auch Pausen einlegen kann, würde ich niemals behaupten.

Als Fotografin interessiere ich mich dabei nicht nur für mein "Fach", sondern stöbere in der Malerei, finde Street Art in Städten, lasse mich von Werbeclips und Musikvideos inspirieren. Unsere Welt ist bunt und nicht eindimensional. 

 

Für mich gehört dazu auch, dass ich mal mit KollegenInnen unterwegs bin oder Workshops (also known as Arbeitskreis) besuche. Ein Austausch mit anderen, die für ihr Schaffen brennen, ist mir wichtig, und ich gebe auch Anregungen, ohne die Angst zu haben, dass mir jemand "eine Idee klaut". Ist schon passiert ... na und ... einmal geschüttelt, Krönchen wieder aufgesetzt und weiter.

 

Übrigens: Lernprozesse können sehr, sehr weh tun, denn wenn wir etwas mit Leidenschaft machen und plötzlich das Gefühl haben, es ginge nicht weiter, ist das häufig bedrückend und schmerzhaft. Manchmal brauchen wir eine Weile, um uns zu sammeln. Wenn es dann aber doch weitergeht, dann ist die Welt umso bunter und schöner. 

 


4. Das Menschsein ignorieren

Menschen sind unglaublich spannende Wesen und wie vielseitig und aufregend sie sein können, ist mir erst richtig bewusst geworden, seitdem ich sie "abbilde". Deshalb rede ich viel mit ihnen, bevor ich die Kamera in die Hand nehme. Ich möchte wissen, was mein Gegenüber ausmacht, was dem Wesen wichtig ist, wobei er oder sie sich emotional berührt fühlt und was unangenehm ist. Ganz ehrlich: wenn sich ein Mensch vor mir verschließt, bin ich in der Regel auch mit den Ergebnissen unzufrieden, da können sie handwerklich noch so gut sein.

 

Und dann rufen Kunden und Models bei mir an, um sich zu bedanken. Sie schicken mir Sprachnachrichten, auf denen sie gerührt sind über fertige Bilder. Ich speichere mir diese Nachrichten natürlich in meiner Schatzkammer und natürlich bin ich darauf stolz wie Oskar, aber das macht aus mir keinen anderen Menschen. Das macht aus mir keinen unfehlbaren Starfotografen, sondern eine Macherin, die a) versteht, was sie tut und b) gerade gute Bilder aufnimmt, weil sie nicht mit hochgezogener Nase durch die Welt läuft. Wer damit beschäftigt ist, sich immer und überall feiern zu lassen, hat viel zu wenig Zeit, sich um die Vermeidung von Nummer 3 zu kümmern ;-). 

 


5. Stressen lassen

Eigentlich wichtigste Regel: immer locker bleiben...! 

 

Und es klingt wie pure Phrasendrescherei, aber mach doch einfach das, was du liebst. Wenn du Schwierigkeiten hast in der Fotografie, dann ist es vielleicht doch nicht deine Welt. Mach eben etwas anderes. Es geht mir nicht darum, dass man beim allerersten Gegenwind alles hinschmeißt, aber wenn mich etwas mehr frustriert, als dass es Spaß macht, dann ist es für mich nicht das Richtige. 

 

 

Wenn du wirklich modeln willst, dann mach das. Wenn du fotografieren willst, dann mach das. Wenn du schreiben willst, dann mach das. 


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Kommentare: 1
  • #1

    Matthias F. Mák (Dienstag, 24 Oktober 2017 22:51)

    Hallo Mareike,

    Warum stehen hier nicht jede Menge positive Kommentare?

    Dem was Du schreibst, kann ich zu 100% zustimmen.
    Die Bilder, die Du hier zeigst, sprechen zudem eine ganz eigene Sprache und ich bin begeistert von der großen Intimität, die sie vermitteln. Man kann das Vertrauen und die Offenheit auf den Gesichtern förmlich spüren.

    Ganz herzliche Grüße,
    Matthias