Roadtrippin' Südengland 2018

17.7. - 10.8.2018 

Moin, 

Südengland ist wild, ein Paradies für Surfer und Blümchenfetischisten. Das Wetter hatten wir uns ehrlich gesagt schlimmer vorgestellt, aber da die Hitzewelle 2018 auch vor England nicht Halt macht, haben wir extrem Glück: es IST heiß, aber der Wind weht konstant und erfrischend. Unser Trip startet am Flughafen London Heathrow, führt uns dann mit dem Mietwagen über Dorset nach Cornwall, rund um die Küste herum bis in den Norden von Devon und Somerset. Vier Wochen Linksverkehr, Bohnen zum Frühstück und Küstenklettern. 

Bournemouth

Surfer, Surfer und noch mehr Surfer. Chillen am Strand, gemütlich vegan essen im Urban Reef in Boscombe. Stundenlange Strandspaziergänge an bunten Beachhuts vorbei,  die übrigens teilweise auf ihren 1,5m² extremst gut ausgestattet sind. 

Falmouth (hier Lizard Point - Kynance Cove)

Von Falmouth ca. 45 Min Fahrtzeit, um an ein schönes Fleckchen Erde zu gelangen. Teilweise sind Strände nur bei Ebbe betretbar, aber die Gegend bei Ebbe und bei Flut ein Naturschauspiel. Neben dem Küstenwanderweg ab Lizard Point steckt ab und an mal ein Seehund den Kopf aus dem Wasser und bestaunt mal mehr mal weniger gut ausgerüstete Wanderer. In Kynance Cove am Strand findet man dann ein mit gemütlichen Liegestühlen ausgerüstetes Cafe. 

Falmouth (itself)

Falmouth ist iiiiiirgendwie putzig: Piratenstadt, eine raue Gegend, die Festungsanlage gegen angriffswütige Spanier der letzten Jahrhunderte, gefräßige und allzeit lauernde Möwen, Fudge soweit das Auge reicht.

Sennen + Sennen Cove

Der Strand in Sennen ist richtig, richtig, richtig schön. Wenn 5m vor dir plötzlich ein Seehund auftaucht, muss der Strand ja etwas Besonderes sein. Man hat zudem fast das Gefühl, dass man Sennen beleidigt, wenn man nicht surfen geht. Sogar das Kreuz an der Kirche besteht aus Surfboards. Ab Sennen kann man das Minack Theatre ansteuern - ein in den Berg eingelassenes Theater. Als wir  abends zur Vorstellung da sind, badet kitschigerweise auch noch eine Delfinfamilie an der Küste entlang. Gerüchten zufolge spielen die Schauspieler extrem langsam weiter, wenn so etwas passiert, weil ihnen keiner mehr zuschaut. 

St. Ives

Die Stadt ist niedlich, aber schrecklich überlaufen. Es gibt viele kleine Boutiquen, in denen vor allem FRAU glücklich wird. Das Stadtbild ist geprägt von Männern, die ungeduldig vor Geschäften warten und Tüten/Hunde/Kinder festhalten. 

Land's End

Ich hätte es ja Popöchen der Welt genannt, aber auf mich hört ja keiner.

St Michael's Mount + Mousehole

Bei Ebbe zu Fuß rüber, bei Flut ist es das Happening, sich nasse Füße zu holen, weil der Weg zur Insel spektakulär verschwindet. So sieht man Familien, die ihre Kinderwagen über Kopf tragen müssen, weil sie die Flutzeiten unterschätzen, Fotografen, deren Kameras auf Stativen mitten im Wasser stehen und nervös werdende Lifeguards, für diejenigen holen, die es dann doch nicht schaffen. 

Mousehole (Es heißt Mousel .... die Menschen sind pikiert, sagt man mouse - hole) ist ein putziges Fischerdorf mit Infinitypool ;-). 

Boscastle

Das schlechte englische Wetter holt uns ein und ich bin neidisch ob der deutschen Hitzewelle. In Tintagel ist die Burg gesperrt, weil es zu gefährlich ist, bei den starken Windböen die Insel zu betreten. Doch wenn es in der Gegend wieder aufklart, ist die Szenerie umso dramatischer.  Wir müssen erkennen, dass Regen und Sturm nur uns Touristen in die Hotels treibt, die Einwohner aber im Gegenteil vor die Tür, bzw. ins Wasser (mit Boot, Surfbrett, Schwimmreifen), weil der Sturm die Wellen noch besser auftürmt. Ansonsten gibt es in Boscastle Hexen, magische Wesen und Zauberer uuuuund Hexen. Naja, und irgendein Arthus hatte hier wohl irgendeinen großen Esstisch ;-) 

 

Clovelly

Nur ein kleiner, putziger Zwischenstopp im kleinen, putzigen Clovelly und nur ein kleines bisschen zu voll.

Exmoor --> Lynton/Lynmouth

Zwillingsdörfer sind Lynton/Lynmouth. Ein Teil des Ortes (Lynton) liegt oben an der Klippe, und der andere Teil ist entweder durch einen extrem steilen Fußweg ("Ich geh da jetzt nicht wieder hoch - nicht vorm Essen") oder eine kleine wasserbetriebene Bahn erreichbar. Beide liegen auf jeden Fall an einer der steilsten Steilküsten (quasi einer Steilsteilküste) in der Gegend und mitten im Exmoor - eine meilenweite Ebene mit ... NICHTS ;-) . Naja gut, mit nichts außer Natur. Das Exmoor und Lynton sind übrigens durchaus unheimlich, wenn der Nebel abends durchzieht. Das muss Kulisse für gute Horrorfilme sein. Falls ihr mal im Ort seid: im Vanilla Pod essen gehen - extrem lecker.

Bath

Das italienischste Stückchen Großbritannien, das ich auf der ganzen Reise gesehen habe. Und das teuerste Stückchen Großbritannien, wenn es um die Nahrungsaufnahme geht. Tagsüber schieben sich Menschenmassen durch die Stadt und vorbei an den Sandsteinhäusern, abends werden gefühlt die Bordsteine hochgeklappt und nur im Theaterviertel herrscht noch reges Treiben. Als wir gleich am Ankunftstag an der Kasse der Römischen Therme fragen, ob das abends zu voll wird, wenn das Licht am besten steht, lächelt die Kassiererin süffisant und wundert sich über meine Anfrage ("No, daaaaaarling"). Nein, wird es nicht.  

Bristol

Sorry, Leudde, aber ich habe sooooo unendlich viele Bilder in Bristol gemacht. Die Stadt ist der Knüller ;-). Wir haben uns die Bristol Banksy Tour App heruntergeladen und uns eine Laufroute zusammengebastelt. Was aus Versehen passiert ist, ist die Tatsache, dass wir dadurch die linksorientierten, gegebenenfalls vor der Gentrifizierung stehenden, kreativen, aber sozial schwachen Stadtteile abgelaufen sind, so dass es fast anmutet, dass Banksy, dessen Gesicht man ja eh nicht kennt, eine geschickte Werbestrategie der Stadt Bristol ist. Seltsamerweise ziehen mich solche Stadtteile wie Stoke Croft magisch an und das, obwohl ich weiß, dass ich dadurch im Grunde Teil eines Gentrifizierungsprozesses bin. Ähnlich verhält es sich mit den Kunstwerken (!) von Banksy selbst. Es soll Straßenkunst sein, aber teilweise hängen die Werke aus Wänden oder wie in Bristol aus einem Schiff ausgeschnitten hinter Glas im Museum. Andere wiederum findet man kaum beachtet im Hafenbereich, wo kaum jemand sie sieht oder im Hinterhof über Mülltonnen.

Oxford

Ja, richtig gelesen, wir haben spontan London gegen Oxford eingetauscht. Nach London kommt man mal eben ab Düsseldorf rüber ohne Auto, ohne Umstände und recht kostengünstig. Zudem müssten wir überlegen, wo wir den Mietwagen lassen, da mich mit dem Wagen keine zehn Exmoor-Wildpferde in die Stadt bekämen. So entscheiden wir uns dafür, uns nach Bath auch Oxford anzuschauen. 

Für die Stadt muss man sich in meinen Augen gut vorbereiten. Entweder ist man Fan von Harry Potter und bucht eine Harry Potter Tour oder man ist Fan von Alice im Wunderland und macht eine Thementour dazu oder man ist Fan von Inspector Morse oder Oscar Wilde .... oder.....

Eigentlich bin ich gekommen, um mit einem Oxford-Hoodie zu gehen, aber alles in meinem Herzen spricht dagegen. Ich habe elitären Statusklüngel, Kolonialisierungsvertreter und -Verdränger und vetternwirtschaft im Kopf. In Oxford wird geschoben und gerempelt, aber selten entschuldigt. Hochherrschaftlich reihen sich Universitätsgebäude, Kirchen und Souvenirshops aneinander und den unfreundlichsten Service in der Gastronomie erleben wir hier. Dagegen mutet der klassische Köbes aus Düsseldorf als zarte, verletzbare Elfe an. Ein wenig ärgere ich mich, dass ich keinen Bristol-Hoodie gesucht habe. Es ist schade, dass unsere letzte Station gerade hier ist, aber der Rückblick auf das, was wir gesehen haben, ist dadurch vielleicht noch schöner. Und wir beide kommen ins Gespräch (nicht dass wir nicht sonst auch viel ausdiskutieren ;-)) über Auswirkungen des britischen Empires heute und Alltagsrassismus.

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